Vom Stock, der den Meineid verriet

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Der Vorgängerbau des Berliner Rathauses war mit dem Wachsen der Stadt mehrfach umgebaut und erweitert worden. Dabei hatte man den ursprünglichen Haupteingang zugemauert. Das Haus steht heute nicht mehr, aber man erzählt sich noch, dass wegen folgender Geschichte keiner mehr durch diese Tür gehen wollte:

Ein stadtbekannter Wucherer hatte jede Menge Geld verdient mit der Vergabe von privaten Krediten, die er sich mit überhöhten Zinsen zurückzahlen ließ. Aber da der Reiche immer in der Angst vor der Armut lebt, sann er auf ein Mittel, um zu noch mehr Geld zu kommen.
So ging er eines Tages zu einem Freund, erzählte ihm, er habe ganz in der Nähe die Gelegenheit zu einem Kauf, von dem er sich ein gutes Geschäft verspricht, aber gerade nicht genug Geld bei sich. Er möge ihm doch bitte bis morgen 50 Dukaten leihen. Da der Freund ihn schon lange kannte und wusste, dass es ihm ein Leichtes war, die Summe jederzeit zurückzugeben, gab er ihm ohne weiteres das Geld. Selbstverständlich ohne Schuldschein – sie waren ja Freunde. Am nächsten Tag erwartete er den Wucherer zurück, doch der kam nicht. Die ganze folgende Woche ließ er sich nicht blicken. Schließlich trafen sich die Freunde zufällig auf der Straße. Wann er denn das Geliehene zurückzahlen wolle, fragte der Freund. Der Andere stellte sich ahnungslos. „Welches Geliehene? Du meinst doch nicht etwa die 50 Dukaten, die ich Dir wie vereinbart vor einer Woche schon wiedergegeben habe?“ Der Freund war für einen Moment sprachlos. „Du scherzt. Du, das kannst Du nicht mit mir machen! Ich brauche mein Geld zurück.“ Der Wucherer blieb dabei, er habe ihm schon alles wiedergegeben. Der Streit wurde immer heftiger, und die Leute blieben schon auf der Straße stehen. Der Wucherer wurde wütend: „Willst Du meinen Ruf ruinieren?“ – „Ich will mein Geld zurück, und wenn Du es mir nicht geben willst, dann sehen wir uns eben vor Gericht wieder.“
Der Freund ging zum Rathaus, das damals auch noch als Gericht fungierte und klagte gegen den Wucherer. Der wurde geholt, trat aber seelenruhig vor die hohen Herren und blieb bei seiner Geschichte. Nun stand Aussage gegen Aussage. Ob er dies denn auch beeiden könne, wurde er gefragt. Ja. Der Freund trat hinzu, um ihm dabei fest in die Augen schauen zu können. Der Wucherer, der noch seinen Gehstock in der Hand und den Mantel überm Arm hatte, bat den Freund, dies doch mal kurz zu halten, nahm die Bibel und schwor. Damit war die Verhandlung beendet.
Der Freund bebte vor Wut, da er jetzt keine Möglichkeit mehr sah, wieder an sein Geld zu kommen. Draußen auf der Rathaustreppe zischte er dem Wucherer zu: „Du meineidiger Hund!“ Der verlor die Fassung und schrie: „Hat es Dir nicht gelangt, mit dieser Verhandlung meinen Ruf zu ruinieren?!“ und erhob seinen Gehstock. Doch in dem Moment, als der Stock auf dessen Rücken niederging, zerbrach er – und aus den Teilen des Stocks kullerten die blanken Dukaten. Jetzt war auch klar, warum der Wucherer vor seinem Schwur dem anderen den Stock in die Hand gedrückt hatte. Damit hätte er ihm das Geld wiedergegeben und meinte, dies sei ja dann kein Meineid. Und in der Tat geriet der Rat über diese juristische Spitzfindigkeit in Streit. Für Meineid hätte er eigentlich hängen müssen. So wurde er verurteilt, zeitlebens eine seidene Schnur um den Hals zu tragen. Der Henker wurde beauftragt, sich jedes Jahr einmal davon zu überzeugen, ob er die Schnur noch trug, und der Wucherer hatte ihn dafür jedes Mal mit 50 Dukaten zu entlohnen. Die ehrlichen Berliner wollten aber nichts mehr mit ihm zu tun haben.

Anmerkungen: 
Bei A. Cosmar steht die Story noch als Tatsachenbericht. In anderer Version und mit anderem Ausgang wird die Geschichte aber auch aus Stendal berichtet.
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