Hochzeitsturm Darmstadt: Steht das Original in Polen?

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Hat der Architekt Olbrich für Darmstadt nur eine Kopie seines Jugendwerks gebaut?

Es war am Gründonnerstag 1992, als Wolfgang Albrecht-Schoeck mit Marina Hipp von Darmstadt nach Ostpolen fuhr, um bei Freunden an der Weichsel das Osterfest zu feiern. Die Route war aufgrund vieler Besuche Polens bekannt. Ein Transit durch die ehemalige DDR wurde schon früher vermieden, da Tschechien immer das gastfreundlichere Land war, nicht nur bei den Grenzkontrollen. In Mähren setzte plötzlich heftiger Schneefall ein, und an einem Berg ging nichts mehr. Nach einem gelungenen Wendemanöver wurde eine bislang unbekannte Strecke gefahren. Und während Albrecht-Schoeck mit konzentriertem Blick hinter den die Schneemassen beseitigenden Scheibenwischern auf die Fahrbahn starrte, schrie Marina Hipp: „Der Darmstädter Hochzeitsturm, schau mal, der Hochzeitsturm!“ Man hielt an, stieg aus und wollte seinen Augen nicht trauen. Und natürlich wurde ein Foto gemacht.

Da stand ein Trafohäuschen, in Anmutung, den Proportionen, Materialien des Großen in Darmstadt. Wir wollten es zunächst garnicht glauben, dachten geträumt zu haben.Und hatten nichts getrunken, am Abend davor nur ein herrliches tschechisches Bier.

Wer eine Reise macht, der kann was erzählen...Aber in Darmstadt war das Interesse nicht sehr groß. So wurde die Sache, z.B. auch vom Förderkreis Hochzeitsturm, schlicht verdrängt. Und Albrecht-Schoeck hatte anderes zu tun, ging Ende der 90-er nach Berlin, nachdem er dort mehrfach beruflich gefragt war, was sich in Darmstadt sehr in Grenzen gehalten hatte. Immer wieder kam er bei seinen vielen Polenreisen am „Kleinen Hochzeitsturm“ vorbei und begann dann zu recherchieren, nachdem er sich Olbrichs Entwürfe von 1906 angesehen hatte. Diese hatten mit dem, was auf der Mathildenhöhe steht, wenig zu tun. Und jeder Gestalter kennt die Situation, wenn er den x-ten Entwurf vorgelegt hat, der nicht auf die Akzeptanz beim Kunden stößt. Da haben wir doch was im Archiv. Wie wär’s denn mit diesem Turm aus Frankenstein? Gedacht, getan. Und es hat geklappt.

Nun galt es, den Lebensweg des Architekten zu betrachten:
Olbrich besuchte zunächst das Gymnasium in Troppau, welches er jedoch vorzeitig verließ, absolvierte eine Maurerlehre, um danach bei einem Bauunternehmer als Zeichner zu arbeiten. 1882 ging er nach Wien, um in die Architekturklasse der Wiener Staats-Gewerbeschule einzutreten. 1886 machte Olbrich sein Examen und kehrte er nach Troppau zurück, um dort für eine Baufirma als Zeichner zu arbeiten.1890 studierte er an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein besuchte häufig Wien und war sehr an moderner Kunst interessiert. Auf seine Veranlassung entstand daher 1899 in Darmstadt die Darmstädter Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe. Zu diesem Zweck holte er Olbrich nach Darmstadt. 1900 bekam er vom Großherzog den Professorentitel verliehen und wurde hessischer Bürger. 1903 heiratete Olbrich in Wiesbaden Claire Morawe, die geschiedene Frau des Schriftstellers Christian Ferdinand Morawe. Die Künstlerkolonie wurde zum Experimentierfeld für Olbrich, wo er auch das Hauptgebäude, das Ernst-Ludwig-Haus baute. Länger als manch anderes Mitglied blieb Olbrich der Kolonie treu. 1906 erhielt er seinen letzten und größten Auftrag: das Warenhaus Tietz in Düsseldorf. Das Rheinland erschien ihm als lockendes Betätigungsfeld, da er hier anscheinend leichter an solche großen, monumentalen Projekte kam als in Darmstadt, wo die Künstlerkolonie außer dem Großherzog nur wenige Auftraggeber hatte. 1907–1908 entstand der Hochzeitsturm auf der Mathildenhöhe in Darmstadt.1908 starb Olbrich – nur 40 Jahre alt – am 8. August in Düsseldorf an Leukämie. Vier Tage später wurde er in Darmstadt auf dem alten Friedhof beerdigt. Soviel in Kurzform von Wikipedia.

Troppau in Schlesien, das heutige Opava, war Wirkungsstätte des jungen Olbrich als Zeichner bis er 1890 nach Wien ging, von dort nach Darmstadt abgeworben wurde. Und der Standort des „Kleinen“ ist das ebenfalls in Schlesien gelegene Frankenstein (Karte siehe im Anschluß an den Text). Sieht man die Wirkungsstätten Olbrichs Wien, Darmstadt, Berlin und Düsseldorf im Vergleich zu Troppau und Frankenstein (heute Ząbkowice nahe Breslau (heute Wrocław), liegen die Orte einen Katzensprung auseinander. Hat Olbrich dort das Trafohäuschen gezeichnet in seiner schon damals begabten Manier? Und nie vergessen? Dann konnte er sicher sein, dass sein Darmstädter Turm ein Erfolg würde; denn das Modell hatte bewiesen, wie beeindruckend selbst das kleine Gebäude geworden war. Wie erst in Groß und veredelt!

Olbrichs Werk war Albrecht-Schoeck schon als Schüler begegnet. Wenn er auf dem Weg zum Gymnasium an der Düsseldorfer Königsallee umsteigen musste, fand dies jedesmal vor dem Kaufhof statt, dem ehemaligen Warenhaus Tietz, Olbrichs letzter Baustelle. Da hieß er auch noch Albrecht, da sein Vater Schoeck erst später in sein Leben treten sollte. Albrecht ist übrigens die deutschsprachige Version des slavischen Namens Olbracht. Ziemlich nah dran...

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